Entwicklungspsychologie


Forschungsprojekte

Anpassungsleistungen von Kleinkindern an neue Settings
in den ersten beiden Lebensjahren

Rauh, Ziegenhain

gefördert über die DFG von 1988-1994

Ziel dieser Längsschnittstudie war es, die Anpassungsleistungen von Neugeborenen und Kleinkindern und ihre Verfestigung zu Verhaltensbereitschaften und Persönlichkeitsstilen sowie sozial-emotionalen Bindungsqualitäten zu untersuchen.

Es wurden 76 Kinder von der Geburt bis ins zweite Lebensjahr mittels Videoerhebungen sowohl in unvertrauten (sozialen) Situationen, wie der Neugeborenenphase, dem Krippeneintritt oder in Testsituationen (Ainsworth "Fremde Situation", Entwicklungstest), als auch in vertrauten Wickel- und Spielsituationen mit der Mutter zu Hause (3, 6, 9, 12, 18, 22 Monate) beobachtet. Über Fragebögen an Eltern und Erzieher wurden Temperament, Entwicklungsstand und Eingewöhnungsverhalten der Kinder in die Krippe und über Befragungen das soziale Netzwerk der Familie und familiäre Stressbelastungen erfasst.

Die Mütter verhielten sich unterschiedlich feinfühlig je nach Entwicklungsalter des Kindes und je nach Vertrautheit oder Unvertrautheit des Settings. Die Kinder entwickelten unterschiedliche Bindungsqualitäten je nach der Qualität mütterlicher Interaktionsstile im Umgang mit dem Kind und je nach ihren Erfahrungen in unvertrauten Situationen. Beispielsweise verhielten sich die Kinder in der Krippeneingewöhnungsphase vormittags in der Krippe und nachmittags zu Hause unterschiedlich, je nachdem ob sie eher sanft oder abrupt "eingekrippt" worden waren. Diese Erfahrungen schienen sich aber nur bei Kindern, die mindestens etwa ein Jahr alt waren, auf ihre emotionale Beziehung zur Mutter auszuwirken.

Unterschiedliche Reaktionsstile und Anstrengungen der zweijährigen Kinder im Umgang mit einer neuen Situation zeigten sich zudem in einem Entwicklungstest mit überwiegend kognitiven Anpassungsanforderungen. Sicher gebundene Kinder zeigten im Unterschied zu unsicher gebundenen Kindern die beste Testleistung und wirkten offen, emotional ausgeglichen und motorisch frei und entspannt. Demgegenüber hatten unsicher gebundene Kinder einen höheren emotionalen Aufwand, um mit der Anforderungssituation fertig zu werden.

Im Zusammenhang mit diesem Projekt fanden für die Studierenden der Universität Potsdam Kompakttrainings im Auswerten von kindlichem und mütterlichem Verhalten anhand von Videoaufnahmen statt. Über Berufungsmittel wurden die Auswertungen der Videoaufnahmen weitergeführt.


Dissertation:

Simó Teufel, S. (1997). Entwicklung der Interaktionsmuster zwischen Mutter und Kind in der frühen Kindheit und deren Bezug zur emotionalen Grundbefindlichkeit des Kindes im zweiten Lebensjahr. Unveröffentlichte Dissertation, FU Berlin.


Diplomarbeiten:

Büttner, A. (1996). Eingewöhnung von Säuglingen und Kleinkindern in die Krippe. Diplomarbeit, FU Berlin.

Dillmann, S. (1995). Ausdrucks- und Kommunikationsverhalten von Kleinkindern in der Fremden Situation. Diplomarbeit, FU Berlin.

Eisermann, J. (1996). Skalierungen von Entwicklungsdaten. Techniken zur Auffindung von Multiformskalen innerhalb der Kinder Entwicklungsstand Skalen (KESS). Diplomarbeit, FU Berlin.

Frauböse, K. (1999). Bindungsqualität im Kleinkind- und Vorschulalter. Eine längsschnittliche Untersuchung. Diplomarbeit, Universität Potsdam.

Haasemann, J. (1998). Emotionskontrolle bei Kindern im Vorschulalter. Analyse des Zusammenhangs zwischen verbaler Antwort und Verhalten von Vorschulkindern während der Durchführung eines Selbstkonzeptinventars. Diplomarbeit, FU Berlin.

Muschiol, M. (1996). Streßverarbeitung junger Mütter. Diplomarbeit, FU Berlin.

Wessel, S. (1999). Offenheit und Belastetheit von Säuglingen und Kleinkindern beim Krippeneintritt. Diplomarbeit, Universität Potsdam.

Publikationen:

Rauh, H., Dillmann, S., Müller, B. & Ziegenhain, U. (1995). Anfänge der Persönlichkeitsentwicklung in der frühen Kindheit. In A. Kruse & R. Schmitz-Scherzer (Hrsg.), Psychologie der Lebensalter (S. 107-122). Darmstadt: Steinkopff.

Rauh, H. & Ziegenhain, U. (1996). Krippenerfahrung und Bindungsentwicklung. In W. Tietze (Hrsg), Früherziehung. Trends, internationale Forschungsergebnisse, Praxisorientierungen (S. 97-113). Neuwied: Luchterhand.

Rauh, H., Ziegenhain, U. & Müller, B. (2000). Stability and change in infant-mother attachment in the second year of life: Relations to parenting quality and varying degrees of daycare experience. In P. M. Crittenden & A. H. Claussen (Eds.), The organization of attachment relationships: Maturation, culture, and context (pp. 251-276). New York: Cambridge University Press.

Simó, S., Rauh, H. & Ziegenhain, U. (2000). Mutter-Kind-Interaktion in den ersten 18 Lebensmonaten und Bindungssicherheit am Ende des 2. Lebensjahres. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 47, 118-141.

Ziegenhain, U., Müller, B. & Rauh, H. (1996). Frühe Bindungserfahrungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kleinkindern in einer sozialen und kognitiven Anforderungssituation. Praxis der Kinderpsychologie und Jugendpsychiatrie, 45, 95-102.

Ziegenhain, U., Rauh, H. & Müller, B. (1998). Emotionale Anpassung von Kleinkindern an die Krippenbetreuung. In L. Ahnert (Hrsg.), Tagesbetreuung für Kinder unter drei - Theorien, Tatsachen (S. 82-98). Göttingen: Hogrefe.

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