Entwicklungspsychologie


Forschungsprojekte

Entwicklungsverläufe von Kindern mit Down-Syndrom

Rauh

Im Zentrum dieses Projektes steht die deskriptive Erfassung der mentalen, motorischen und verhaltensmäßigen Entwicklungsverläufe von Kleinkindern mit Down-Syndrom von den ersten Lebenswochen bis etwa zum 12. Lebensjahr. Die Entwicklungsbeschreibungen basieren auf Testdaten und auf videografierten Verhaltensbeobachtungen von 35 Projektkindern (davon 25 mit sehr langfristiger Teilnahme), die zunächst dreimonatlich, ab einem Alter von etwa 5 Jahren halbjährlich und schließlich jährlich mit allgemeinen Entwicklungstests (Bayley Scales of Infant Development I und II, McCarthy Scales of Children’s Abilities) untersucht worden waren. Außerdem hatten die Eltern anfangs monatlich, später viertel- bzw. halbjährlich Entwicklungsfragebögen ausgefüllt. Sie erlauben einen detaillierten Einblick in die vielfältigen Entwicklungsverläufe dieser Kinder, sowohl anhand objektiver Tests als auch aus elterlicher Sicht. Die Verhaltensweisen der Projektkinder wurden in den Entwicklungstestuntersuchungen mit Hilfe von Verhaltensratings dokumentiert (Infant Behavior Record, Behavior Rating Scale). Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass sich entwicklungspsychologische Theorien und Methoden weitgehend auf Kinder mit Down-Syndrom anwenden und an ihnen überprüfen lassen. Die typischen Entwicklungsmeilensteine (z. B. "Fremdeln" und "Trotzverhalten") fanden sich bei den Projektkindern in einem dem Lebensalter nicht-behinderter Kinder vergleichbaren Entwicklungsalter. Projektkinder mit unterschiedlichem individuellen (mentalen) Entwicklungstempo zeigten jedoch bei vergleichbarem Entwicklungsalter auch weitere charakteristische Unterschiede in ihrem Verhalten während der Testsituationen und in ihren Verhaltensverläufen. Aus dem Verhalten der Kinder während der Tests (bei 15 bzw. 21 Lebensmonaten) ließ sich das Entwicklungsniveau mehrere Jahre später gleich gut oder sogar besser vorhersagen als aus den quantitativen Testleistungen.

Von einer Teilgruppe der Stichprobenkinder konnten zusätzlich die Bindungssicherheit (im Entwicklungsalter von 12 Monaten) und einige Wochen später die Qualität der Mutter-Kind-Interaktion in einer halbstrukturierten Spielsituation erhoben werden. Diese Teilgruppe wurde mit nicht-behinderten Kindern gleicher Bindungsqualitätskategorien aus dem Längsschnittprojekt von Prof. Gisela Klann-Delius [FU Berlin] verglichen, die anfangs aber das gleiche Entwicklungsalter hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Eltern-Kind-Paare mit einem behinderten Kind in ihrer Interaktionsqualität zwar nicht von denen mit einem nicht-behinderten Kind unterschieden, in beiden Gruppen aber die Interaktionsqualität sehr deutlich mit der Bindungsqualität korrespondierte (Diplomarbeit Hain, 1996).


Diplomarbeiten:

Arens, D. (1996). Verhalten von Kleinkindern und Kindern mit Down-Syndrom in der entwicklungspsychologischen Testsituation. Längsschnittliche Analyse des Bayley Infant Behavior Record (1969). Diplomarbeit, FU Berlin.

Göggerle, S. (1996). Beginnende Symbolisierung und Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom. Eine Längsschnittstudie. Diplomarbeit, FU Berlin.

Gogolin, N. (1997). Deskriptive Analyse des Erstspracherwerbs zweier Kinder mit Down-Syndrom in einer Entwicklungstestsituation. Diplomarbeit, Universität Potsdam.

Hain, B. (1997). Qualität der Mutter-Kind-Interaktion in Abhängigkeit vom Bindungsstatus bei Down-Syndrom und nichtbehinderten Kindern. Diplomarbeit, FU Berlin.

Heitbrink, H. (2000). Familiäre Rahmenbedingungen und die Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom. Diplomarbeit, Universität Potsdam.

Publikationen:

Rauh, H. (1996). Anregungen aus der Entwicklungspsychologie für ein Verständnis der Entwicklung behinderter Kinder. In F. Peterander & G. Opp (Hrsg.), Focus Heilpädagogik - Projekt Zukunft (S. 243-260). München/Basel: Reinhardt.

Rauh, H. (1997). Kleinkinder mit Down-Syndrom: Entwicklungsverläufe und Entwicklungsprobleme. In T. Horstmann & C. Leyendecker (Hrsg.), Frühförderung und Frühbehandlung - wissenschaftliche Grundlagen, praxisorientierte Ansätze und Perspektiven interdisziplinärer Zusammenarbeit (S. 212-235). Heidelberg: Edition Schindele, Universitätsverlag C.Winter.

Rauh, H. (1999). Entwicklungsprognose am Beispiel der Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom. In R. Oerter, C. von Hagen, G. Röper & G. Noam (Hrsg.), Lehrbuch Klinische Entwicklungspsychologie. Ein Lehrbuch (S. 195-217). Weinheim: Beltz/PVU.

Rauh, H. (2000). Kognitives Entwicklungstempo und Verhalten bei Kindern mit Down-Syndrom. Frühförderung interdisziplinär, 19, 130-139.

Rauh, H. & Arens, D. (1999). Kleinkinder mit Down-Syndrom. Entwicklungsverläufe und Entwicklungsbesonderheiten. In Arbeitsstelle Frühförderung Bayern (Hrsg.), Kind sein und behindert. Bericht vom Münchener Symposium für Frühförderung 1998 (S.196-209). München: Arbeitsstelle Frühförderung Bayern.

Rauh, H., Arens, D. & Calvet-Kruppa, C. (1999). Vulnerabilität und Resilienz bei Kleinkindern mit geistiger Behinderung. In G. Opp, M. Fingerle & A. T. Freytag (Hrsg), Was Kinder stärkt - Erziehung zwischen Risiko und Resilienz (S. 101-123) München: Reinhardt.

Rauh, H., Schellhas, B., Goeggerle, S. & Müller, B. (1996). Diachronic developmental assessment of mentally handicapped young children. In M. Brambring, H. Rauh & A. Beelmann (Hrsg.), Early chilhood intervention (S. 128-154). Berlin/New York: de Gruyter.

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