Dr. Brigitte Lund


Ein Elterntraining zum motivationsförderlichen Erziehungsverhalten in Leistungskontexten


Einführung in das Elterntraining zur Motivförderung ihrer Kinder

Die pädagogische Praxis verweist auf die Notwendigkeit des Erwerbs und der Verbesserung von Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen als Voraussetzung für erfolgreiches schulisches Lernen. Besonders wichtige Variablen des Entwicklungsprozesses sind die motivationalen Grundlagen des Kompetenzerwerbs. Es gilt, diese günstig zu beeinflussen, indem Bedingungen dafür zu schaffen sind, dass Kinder und Jugendliche möglichst aus eigenem Antrieb und ohne ständige Fremdkontrolle Ziele verfolgen und Kompetenzen entwickeln, die ihrer weiteren Entwicklung förderlich sind.

Will man nun dabei nicht ad hoc und intuitiv geleitet irgendwelche Fördermaßnahmen ausprobieren, empfiehlt sich der Rückgriff auf abgesicherte Grundlagenkonzepte.

Die hierzu am weitesten entwickelten Grundlagenkonzepte stammen aus der Leistungsmotivationsforschung, die schon vor fast fünf Jahrzehnten von McClelland und seinen Mitarbeitern begonnen wurde. In der wissenschaftlichen Motivationspsychologie bezieht sich Leistungsmotivation auf das Bestreben, etwas besonders gut oder besser zu machen / zu können, wobei der hier wirksame Anreiz in der Freude an der Steigerung der eigenen Kompetenz liegt . Als überdauernde personseitige Basis dieser Motivation gilt das Leistungsmotiv. In der Ausprägung dieses Motivs gibt es erhebliche individuelle Unterschiede. Personen unterscheiden sich darin, (a) wie leicht passende Situationen bei ihnen leistungsmotiviertes Handeln anregen können und (b) welche Richtung die angeregte Motivation dann überwiegend hat: Maximierung von Erfolgserlebnissen ("Hoffnung auf Erfolg") vs. möglichst sicheres Verhindern von Misserfolgserlebnissen ("Furcht vor Misserfolg"). Die hier zugrunde liegenden Konzepte sind das Selbstbewertungsmodell zum Leistungsmotiv von Heckhausen (1972) und das Konzept der Bezugsnorm-Orientierung von Rheinberg (1980). Erste Trainingsversuche zeigten, dass auf diese sparsame Weise eine Veränderung des Leistungmotivs tatsächlich möglich war. In den Interventionen wurde das Leistungsmotiv der Kinder entweder durch eine direkte Einwirkung auf das Kind selbst beeinflußt oder über die veränderte Bezugsnorm-Orientierung des unterrichtenden Lehrers. In dem letzten Fall hing der Trainingserfolg sehr vom Engagement der betreffenden Lehrer ab.

Da Eltern wichtige Bezugspersonen für ihre heranwachsenden Kinder sind und stetigen Einfluß auch auf deren Motivstruktur nehmen, schien es sinnvoll zu sein, ein Elterntraining zu entwickeln, um über die Eltern auf die Leistungsmotivationsentwicklung der Kinder systematisch einzuwirken.

Die Richtung der Beieinflussung in der Verhaltensmodifikation

Das Schema zeigt die geplante Wirkungsabfolge. Zunächst müssen sich die Eltern umstellen. Das Verhalten des Kindes ändert sich erst infolge der Verhaltensänderung der Eltern. In unserem Fall wurden die Eltern trainiert, schulleistungsbezogene Gespräche mit ihren Kindern systematisch so zu führen,

  • dass individuell realistische Zielstellungen,
  • motivational günstige Ursachenzuschreibung nach Erfolg bzw. Misserfolg und
  • die Selbstbewertung an eigenen Standards beim Kind deutlich werden.

Auf diese Weise sollen nach Heckhausen (1972) und Rheinberg (1980) erfolgszuversichtliche Strategien gefördert werden.

 

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