Dr. Brigitte Lund


Ein Elterntraining zum motivationsförderlichen Erziehungsverhalten in Leistungskontexten


Forschungsergebnisse/Studien

In den Jahren 1999 bis 2001 wurden in Potsdamer Grundschulen zwei Studien durchgeführt, in denen die Wirksamkeit des Elterntrainings überprüft werden sollte. Dabei gingen wir der Frage nach, ob das Training motivationsförderliche Veränderungen bewirkt bei den:

Eltern

  • in ihren Annahmen und Überzeugungen,

Kindern

  • im Leistungsmotiv und
  • der leistungsbezogenen Selbsteinschätzung.

Die Wirksamkeit des Trainings wurde im Kontrollgruppendesign mit Meßwiederholung geprüft. Bei Eltern und Kindern fanden eine Woche vor und nach dem Training Vor- und Nachtestungen statt. Nach weiteren acht Monaten wurde mit einem zweiten Nachtest die Nachhaltigkeit der Effekte sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern geprüft.

Das Untersuchungsvorhaben und die Möglichkeiten der Trainingsteilnahme wurden auf Elternabenden an zwei Potsdamer Grundschulen vorgestellt. Insgesamt erklärten sich in der ersten Untersuchung Eltern von N= 84 Kindern, in der zweiten Studie N= 69 bereit, an der Untersuchung teilzunehmen. Sowohl die Eltern als auch die Kinder teilten sich in Trainings- und Kontrollgruppe auf. In der ersten Studie entschieden sich N= 32 Eltern und ihre Kinder für die Trainingsteilnahme, in der folgenden Studie nahmen 26 Eltern und ihre Kinder als aktive Teilnehmer teil. Wie erwartet, zeigen die Trainingseffekte, dass sich auf Elternseite motivationsförderliche Veränderungen in den Annahmen und Überzeugungen mit mittleren bis hohen Effekten nachweisen lassen, die zum Teil auch langfristig stabil sind. Die trainierten Eltern führen jetzt vor allem häufiger Gespräche, in denen die Kinder zu herausfordernder Zielsetzung ermutigt werden, erzielte Leistungen werden motivational günstig kommentiert. Die folgende Abbildung zeigt die Effekte bei den Eltern im Überblick.


[Veränderung beim Gesamtwert]
Abb. 2: Veränderung beim Gesamtwert  vergrößern


Bei den Kindern wurden, wie erwartet, vor allem Effekte in der Abnahme von Misserfolgsängstlichkeit (LM-Gitter, Schmalt) erreicht, die auch langfristig gesichert werden konnten. Die folgende Abbildung zeigt die Effekte der Kinder der trainierten Eltern im Vergleich zu den Kontrollkindern.


[Furcht vor Misserfolg]
Abb. 3: Furcht vor Misserfolg  vergrößern


Bei der differenzierten Betrachtung der Kinder der trainierten Eltern zeigt sich, dass die Kinder mit einer hohen Misserfolgsängstlichkeit vom Training der Eltern am meisten profitieren. Bei ihnen nimmt die Furcht vor Misserfolg am meisten ab.Die folgende Abbildung zeigt differenzierter die Effekte in der Gruppe der Kinder der trainierten Eltern. Die Kinder, über den Median in hoch- und niedrig misserfolgsängstliche Gruppen gesplittet, profitieren unterschiedlich stark vom Training der Eltern. Den höchsten Gewinn erzielt die Gruppe der hoch-misserfolgsängstlichen Kinder.


[Effekte des Elterntrainings auf Kinder mit hoher und niedriger Misserfolgsfurcht - FM1]
Abb. 4: Effekte des Elterntrainings auf Kinder mit hoher
und niedriger Misserfolgsfurcht - FM1  vergrößern


Die leistungsbezogene Selbsteinschätzung der Drittklässler zeigt zu allen Messzeitpunkten im Mittel eine mäßige Tendenz zur positiven Selbstwahrnehmung. Die Werte der Trainingskinder werden etwas kleiner. Die Übungen zur realistischen Selbsteinschätzung und die Selbstbewertung führten dazu, dass die Trainingskinder sich im Vergleich zu den Kontrollkindern in ihrem Leistungsstand zutreffender einschätzen.

Differenziert sind die Ergebnisse der ersten Studie im folgenden Artikel dargestellt:Lund, B., Rheinberg, F. & Gladasch, U. (2001). Ein Elterntraining zum motivationsförderlichen Erziehungsverhalten in Leistungskontexten. Zeitschrift für Päd. Psychologie, 15 (3/4), 130-143.

 

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